über Hirnholz und Schneidebretter


WARUM HOLZ FÜR SCHNEIDBRETTER ?

Stamm einer uralten Kastanie

Es ist gut, dass es mittlerweile etliche wissenschaftliche Studien gibt, die Holz hervorragende antibakterielle Eigenschaften attestieren und mit der Mär vom hygienisch, keimfreien Kunststoff aufräumen.

Aber wir haben es eigentlich geahnt, 

dass der Werkstoff Holz, der als Baum in Millionen von Jahren gelernt hat, sich biologischen Angriffen aller Art zur Wehr zu setzen, das auch in seinem zweiten Leben (z.B. als Schneidbrett) nicht gänzlich verlernt haben kann?

Holz ist ein Naturprodukt, genauso wie unsere Lebensmittel

(es sein sollten).

Ich möchte behaupten, Holz hat (mindestens) optisch, haptisch, ökologisch und hygienisch die Nase vorn.

WAS IST HIRNHOLZ ?

Brennholz lebt weiter

Wer schon einmal an einem gefällten Baumstamm ehrfürchtig die Jahresringe gezählt hat, der hat schon hochkonzentriert HIRNHOLZ betrachtet.

Würde man nun eine Scheibe von dem Stamm schneiden, wäre das wohl das Ur-Hirnholzbrett .

In der Praxis ist es eher ein Brett aus diesem Stamm, das

quer zur Faserrichtung in gleiche Teile gesägt wird. Die werden um 90° gedreht, wieder zu einer Fläche zusammengeleimt.

WARUM EIN HIRNHOLZ-SCHNEIDBRETT ?

Eine gute Frage, warum der ganze Aufwand ? 

Es ist tatsächlich aufwendig, in Hirnholz-Technik eine

perfekte Schneidbrett-Oberfläche herzustellen,

aber es lohnt sich.  

Zunächst ist Hirnholz die härteste und widerstandsfähigste Oberfläche, die Holz zu bieten hat.

Der entscheidendste Vorteil aber, gerade für Schneidbretter, liegt in der Umkehrung der Faserrichtung.

 

Bei einem „normalen“ Holzbrett (Fasern in Längsrichtung) werden bei jedem Schnitt, außer dem Gemüse, auch Holzfasern durchtrennt. Messer werden so schneller stumpf und, was schwerer wiegt, die so langsam zerstückelten Fasern verabschieden sich nach und nach und hinterlassen erst eine raue, zerfurchte Arbeitsfläche, die sich langsam aber sicher zu einer rauen, zerfurchten Mulde entwickelt. 

Spätestens dann ist Zwiebeln würfeln kein Vergnügen mehr und die allgegenwärtigen Keime nutzten die Gelegenheit, sich mal wieder länger in einem Holzbrett aufzuhalten.

An so ein zerfranstes Plastikbrett mag ich in diesem Zusammenhang gar nicht denken.


Auf einem HIRNHOLZBRETT (die Fläche kann man sich vorstellen wie die einer großen, sehr dichten Bürste) wird in, bzw. zwischen die stehenden Holzfasern geschnitten. Ausreichend vergrößert könnte man wohl beobachten wie die Fasern beim Eindringen der Messerschneide Platz machen und sich beim Verlassen wieder schließen. Die Arbeitsfläche kann so über Jahre nahezu unversehrt bleiben, vor allem wenn nur Messer mit glatter Schneide verwendet werden. (Messer mit Wellenschliff oder Sägezahn wirken wie Raspeln)

Hirnholz Mauerwerk, ein Ausschnitt

Das unglaublich angenehme Schneidegefühl auf Hirnholz muss auch

erwähnt werden.

Das Messer läuft einfach wunderbar widerstandslos auf dem Brett, verhakt nicht in alten Spuren und bleibt zu allem Überfluss auch noch länger scharf. 

Da Holz hygroskopisch ist, kann es Feuchtigkeit auf- und auch wieder abgeben; in Faserrichtung, also die Hirnholzfläche, besonders intensiv. Diesen Umstand macht man sich bei einem Schneidbrett zu Nutze, indem die Flächen mit pflanzlichem Öl gesättigt werden.

So behandelt, trocknet das Brett nicht aus, bleibt geschmeidig und saugt keine anderen Flüssigkeiten ein. 

Dieser Schutz muss allerdings etwas im Auge behalten werden (Pflege)

Ein hoffnungslos verzogenes Holzbrett hat jeder schon einmal gesehen, oder gar in der Schublade. Auch Hirnholzbretter können durch längere einseitige Feuchte - oder Temperatureinwirkung  „buckeln“, ziehen sich aber beim richtigen Trocknen

(Pflege)  immer wieder gerade.

Das liegt daran, dass beide (Hirnholz) Seiten das selbe „Arbeitsverhalten“ an den Tag legen und daher bei beidseitig gleichen klimatischen Bedingungen immer gerade sind.

Eine Voraussetzung dafür ist allerdings auch meine, unablässig nach Perfektion strebende handwerkliche Fertigung.

 

So eine ausgereifte Hirnholz-Technik ermöglicht es, robuste Arbeitsgeräte und gleichzeitig einzigartige Kunstwerke zu schaffen, deren Gestaltungsvielfalt schier unerschöpflich ist.


Dann hält so ein HIRNHOLZ-Schneidbrett also ewig?              

nun ja,

           irgendeines sicher nicht, aber so ein richtig Gutes,             

mit etwas Pflege, auf jeden Fall sehr, sehr lange

Setzt man "ewig" allerdings in Relation zu der heutigen Konsumgeschwindigkeit

und den Produkten, die dieses Tempo spielend mithalten,

dann könnte es doch eine kleine Ewigkeit sein.

Yin und Yang auf einem verschneiten Baumstumpf